Rahmenrichtlinie zur Verhinderung und Bekämpfung von Korruption innerhalb der SW-Consultant UG (haftungsbeschränkt)

Anhang 4 – Leitfaden für Vorgesetzte und Führungskräfte:

Allgemeines

Sehr geehrte Vorgesetzte und Führungskräfte,

als verantwortungsbewusste Leitungsebene tragen Sie eine bedeutende Vorbildfunktion und haben eine Fürsorgepflicht gegenüber den Ihnen unterstellten Beschäftigten. Ihr Verhalten sowie Ihre Aufmerksamkeit spielen eine entscheidende Rolle in der Korruptionsprävention. Daher ist eine aktive, vorausschauende Personalführung und -kontrolle von großer Bedeutung. Klare Zuständigkeitsregelungen, transparente Aufgabenbeschreibungen und eine angemessene Kontrolldichte sind dabei von besonderer Relevanz.

Schwachstellen und potenzielle Einfallstore für Korruption können beispielsweise sein:

  • Mangelhafte Dienst- und Fachaufsicht,
  • Blindes Vertrauen gegenüber langjährigen und spezialisierten Beschäftigten,
  • Charakterliche Schwächen bei Beschäftigten in korruptionsgefährdeten Bereichen,
  • Negatives Vorbild von Vorgesetzten bei der Annahme von Präsenten,
  • Ausbleibende Konsequenzen nach aufgedeckten Manipulationen, was zu fehlender Abschreckung führt.

Um diesen Schwachstellen entgegenzuwirken, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

Organisatorische Maßnahmen

Belehrung und Sensibilisierung:

In regelmäßigen Abständen sollten Sie mit Ihren Beschäftigten anhand des "Verhaltenskodex gegen Korruption" über deren Verpflichtungen sprechen. Dies betrifft insbesondere das Verbot der Annahme von Belohnungen und Geschenken sowie die Vorschriften zur Vermeidung von Interessenkollisionen. Sensibilisierung für diese Themen ist entscheidend, um ein Bewusstsein für die Bedeutung der Einhaltung dieser Regeln zu schaffen.

Klare Definition und Einschränkung von Entscheidungsspielräumen:

Stellen Sie sicher, dass Entscheidungsbefugnisse klar definiert und gegebenenfalls eingeschränkt sind. Erörtern Sie die Delegationsstrukturen, legen Sie die Grenzen der Ermessensspielräume fest und prüfen Sie die Notwendigkeit von Mitzeichnungspflichten. Insbesondere in korruptionsgefährdeten Arbeitsbereichen ist es ratsam, die Vorgangsbearbeitung flexibel zu gestalten, beispielsweise durch numerische oder Buchstabensysteme. Kritisch überprüfen Sie die Sachbearbeitung nach diesen Systemen und führen Sie gegebenenfalls eine Einzelzuweisung nach dem Zufallsprinzip oder einen wiederholten Wechsel der Nummern- oder Buchstabenzuständigkeiten durch.

Mehr-Augen-Prinzip und Arbeitsteams: 

Implementieren Sie das "Mehr-Augen-Prinzip" in Ihrem Verantwortungsbereich. Die Bildung von Arbeitsteams oder -gruppen kann dazu beitragen, Korruptionsrisiken zu minimieren. Insbesondere in besonders korruptionsgefährdeten Bereichen ist es sinnvoll, die Vorgangsbearbeitung nach dem Prinzip der Zweierbelegung zu organisieren. Prüfen Sie die Möglichkeit, die Besetzung von Diensträumen sporadisch zu wechseln, auch ohne damit verbundene Aufgabenänderungen für die Beschäftigten.

Kontrolle von Außenkontakten: 

Achten Sie darauf, dass Außenkontakte, insbesondere in korruptionsgefährdeten Bereichen, nach dem "Mehr-Augen-Prinzip" wahrgenommen werden. Dies kann beispielsweise durch die Begleitung einzelner Beschäftigter zu Ortsterminen, Kontrollen vor Ort oder die Einrichtung von "gläsernen Büros" für die Abwicklung des Besucherverkehrs erreicht werden. Wo dies aufgrund tatsächlicher Umstände nicht möglich ist, organisieren Sie regelmäßige Kontrollen.

Rotation in besonders korruptionsgefährdeten Bereichen: 

Setzen Sie personalwirtschaftliche Instrumente konsequent ein, insbesondere bei Tätigkeiten mit schnell erlernbaren Fachkenntnissen. In besonders korruptionsgefährdeten Bereichen sollte in der Regel alle fünf Jahre eine Rotation stattfinden. Ein Verzicht auf die Rotation im Ausnahmefall, beispielsweise bei Tätigkeiten mit langfristig erworbenem Sachverstand, erfordert eine schriftliche Begründung und eine besonders gründliche Kontrolle des Arbeitsbereichs durch Vorgesetzte.

 Maßnahmen in besonders korruptionsgefährdeten Arbeitsgebieten:

Berücksichtigung der erhöhten Gefährdung Einzelner:

 Achten Sie stets auf die erhöhte Gefährdung einzelner Beschäftigter in korruptionsgefährdeten Arbeitsgebieten. Erkennen Sie potenzielle Risiken frühzeitig und ergreifen Sie geeignete Maßnahmen, um die Sicherheit und Integrität Ihrer Mitarbeiter zu gewährleisten. Integrität der Beschäftigten zu vermeiden.

Ständiger Dialog als Mittel der Fürsorge:

Pflegen Sie einen ständigen Dialog mit Ihren Beschäftigten. Durch offene Kommunikation können Sie nicht nur mögliche Korruptionsrisiken identifizieren, sondern auch das Bewusstsein für ethisches Verhalten fördern. Der Dialog sollte auch Raum für die Mitteilung dienstlicher und privater Probleme bieten. Konflikten frühzeitig entgegenzuwirken, um negative Einflüsse auf die

Beachtung dienstlicher und privater Probleme:

Achten Sie auf dienstliche und private Probleme Ihrer Beschäftigten. Wenn Interessenkollisionen durch Nebentätigkeiten oder Tätigkeiten von Angehörigen bekannt werden, sorgen Sie für Abhilfe, beispielsweise durch die Entbindung eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin von bestimmten Aufgaben.

Wachsamkeit bei Überforderung oder Unterforderung:

Seien Sie besonders wachsam, wenn Sie Anzeichen von Überforderung oder Unterforderung bei Einzelnen erkennen. Eine ausgewogene Arbeitsbelastung trägt dazu bei, Korruptionsrisiken zu minimieren.möglichen

Umgang mit persönlichen Schwächen und Überschuldung:

Zeigen Sie besondere Wachsamkeit, wenn persönliche Schwächen wie Suchtprobleme oder finanzielle Probleme (Überschuldung) bekannt werden. Beschäftigte mit ungeordneten wirtschaftlichen Verhältnissen sollten in bestimmten Positionen, insbesondere im Beschaffungswesen, vermieden werden.

Aufmerksamkeit bei Unzufriedenheit mit dem Arbeitgeber: 

Beachten Sie auch offene Unzufriedenheit mit dem Arbeitgeber. Seien Sie besonders aufmerksam und versuchen Sie, möglichen Konflikten frühzeitig entgegenzuwirken, um negative Einflüsse auf die Integrität der Beschäftigten zu vermeiden.

Ihr Aufsichts- und Führungsstil:

Optimierung der Vorgangskontrolle:

Stellen Sie sicher, dass die Vorgangskontrolle optimiert ist. Integrieren Sie Kontrollmechanismen wie Wiedervorlagen in den Geschäftsablauf, um eine effektive Überprüfung sicherzustellen.

Vermeidung von Abschotten oder Verselbständigung:

Vermeiden Sie das Abschotten oder die Verselbständigung einzelner Beschäftigter. Eine transparente Kommunikation und Zusammenarbeit sind entscheidend, um Korruptionsrisiken vorzubeugen.

Wachsamkeit bei Korruptionsindikatoren:

Schenken Sie besondere Wachsamkeit dem Auftreten von Korruptionsindikatoren. Bei Verdachtsmomenten ist eine umgehende Untersuchung erforderlich.

Stichprobenhafte Überprüfung vorgegebener Ermessensspielräume:

Überprüfen Sie stichprobenweise das Einhalten vorgegebener Ermessensspielräume, um sicherzustellen, dass Entscheidungen im Einklang mit den festgelegten Regeln und Standards getroffen werden.

Ermittlung der Akzeptanz des Verwaltungshandelns:

Ermitteln Sie die Akzeptanz des Verwaltungshandelns durch Gespräche mit "Verwaltungskunden". Ein offener Austausch kann dazu beitragen, potenzielle Unregelmäßigkeiten zu identifizieren und zu beheben.

Nutzung von Fortbildungsangeboten zur Korruptionsprävention:

Nutzen Sie die vorhandenen Fortbildungsangebote im Bereich der Korruptionsprävention. Durch Schulungen können Sie Ihr Wissen erweitern und Ihre Sensibilität für mögliche Korruptionsrisiken schärfen.

Anzeichen für Korruption und Warnsignale

Trotz aller Präventionsmaßnahmen lässt sich Korruption nicht vollständig ausschließen. Es ist wichtig, auf mögliche Anzeichen und Warnsignale zu achten. Eine Expertenbefragung des Bundeskriminalamts hat einige Verhaltensweisen identifiziert, die als Korruptionssignale gewertet werden können. Es ist jedoch zu beachten, dass diese Wertung mit Unsicherheiten verbunden ist, da einige Indikatoren als neutral oder sogar positiv angesehen werden können, obwohl sie sich im Nachhinein als zuverlässige Anzeichen für Korruption erwiesen haben.

Es ist wichtig zu betonen, dass keiner der aufgeführten Indikatoren einen definitiven "Nachweis" für Korruption darstellt. Wenn jedoch aufgrund von Äußerungen oder Beobachtungen bestimmte Verhaltensweisen auffällig erscheinen, ist es notwendig zu prüfen, ob das Auftreten eines Indikators in Verbindung mit den Umfeldbedingungen auf eine potenzielle Korruptionsgefahr hinweist.

Neutrale Indikatoren

Die Identifizierung von möglichen Korruptionsindikatoren erfordert eine sorgfältige Bewertung und Kontextualisierung. Einige Indikatoren können an sich neutral erscheinen, aber in Verbindung mit anderen Faktoren auf eine potenzielle Korruptionsgefahr hinweisen. Hier sind einige neutrale Indikatoren, die bei genauerer Betrachtung aufmerksam beobachtet werden sollten:

  • Auffallender und unerklärlich hoher Lebensstandard:
    • Ein deutlich gestiegener Lebensstandard ohne klare Erklärung oder Quelle für finanzielle Mittel.
  • Auffällige private Kontakte zwischen Beschäftigten und Dritten:
    • Auffällige Verbindungen zu externen Parteien, die Einladungen, Nebentätigkeiten, Berater- oder Gutachterverträge, oder Kapitalbeteiligungen umfassen.
  • Unerklärlicher Widerstand gegen Aufgabenänderung oder Umsetzung:
    • Widerstand gegenüber Veränderungen in den Aufgaben, insbesondere wenn diese mit einer möglichen Beförderung, Gehaltserhöhung oder positiven Aussichten verbunden sind.
  • Ausübung von Nebentätigkeiten ohne Genehmigung oder Anzeige:
    •  Beschäftigte üben Nebentätigkeiten aus, ohne die erforderliche Genehmigung einzuholen oder diese anzuzeigen.
  • Atypisches, nicht erklärbares Verhalten:
    • Unübliches Verhalten, das nicht klar erklärt werden kann, möglicherweise aufgrund von Erpressungsverhältnissen oder schlechtem Gewissen. Plötzliche Veränderungen im Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten.
  • Abnehmende Identifikation mit dem Dienstherrn oder den Aufgaben:
    • Ein schwindendes Interesse oder Engagement für die Aufgaben und Ziele des Dienstherrn.
  • Soziale Probleme:
    • Persönliche Herausforderungen wie Alkohol-, Drogen- oder Spielsucht können auf eine erhöhte Korruptionsgefährdung hinweisen.
  • Geltungssucht und Prahlen mit Kontakten:
    • Eine übermäßige Betonung von persönlichen Kontakten im dienstlichen und privaten Bereich sowie ein Hang zum Prahlen damit.
  • Inanspruchnahme von Vergünstigungen Dritter:
    • Nutzung von Sonderkonditionen beim Einkauf, Freihalten in Restaurants, Einladungen zu privaten oder geschäftlichen Veranstaltungen von "Verwaltungskunden".
  • Auffallende Großzügigkeit von Unternehmen:
    • Unternehmen zeigen unerklärte Großzügigkeit, beispielsweise durch Sponsoring von Veranstaltungen oder großzügige finanzielle Unterstützung.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese Indikatoren nicht isoliert betrachtet werden sollten. Bei einem Verdacht auf mögliche Korruption ist eine gründliche Untersuchung erforderlich, die verschiedene Faktoren berücksichtigt und alle relevanten Umstände einbezieht.

 

Alarmindikatoren

Alarmindikatoren sind Merkmale, die nach den Erfahrungen des Bundeskriminalamts (BKA) charakteristisch für Verwaltungskorruption sind und als Warnsignale für ein mögliches Fehlverhalten dienen. Die Beachtung dieser Alarmindikatoren ist von besonderer Bedeutung, um potenzielle Korruptionsrisiken frühzeitig zu erkennen.  Es ist wichtig, dass Führungskräfte und Vorgesetzte geschult sind, um diese Anzeichen zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Integrität und Transparenz in der Verwaltung aufrechtzuerhalten.

Interne Indikatoren

Interne Indikatoren beziehen sich auf Verhaltensweisen und Muster innerhalb der Organisation, die auf mögliche Korruption hinweisen können. Die Beachtung dieser Indikatoren ist entscheidend, um frühzeitig auf Unregelmäßigkeiten aufmerksam zu werden und angemessene Maßnahmen zu ergreifen.

  • Umgehen oder "Übersehen" von Vorschriften:
    • Bewusstes Umgehen oder Nichtbeachten von festgelegten Vorschriften oder Regeln.
  • Häufung "kleiner Unregelmäßigkeiten":
    • Das Auftreten wiederholter kleiner Verstöße gegen Vorschriften oder interne Regeln.
  • Abweichungen zwischen tatsächlichem Vorgangsablauf und Dokumentation:
    • Unterschiede zwischen dem tatsächlichen Ablauf eines Vorgangs und der späteren schriftlichen Dokumentation.
  • Mangelnde Identifikation mit dem Unternehmen oder den Aufgaben:
    • Fehlende Verbundenheit oder Identifikation der Beschäftigten mit den Zielen und Aufgaben der Organisation.
  • Ungewöhnliche Entscheidungen ohne nachvollziehbare Begründung:
    • Das Treffen von Entscheidungen ohne klare und nachvollziehbare Begründung.
  • Unterschiedliche Bewertungen und Entscheidungen bei gleichem Sachverhalt:
    • Uneinheitliche Behandlung von ähnlichen Fällen oder Anträgen, insbesondere wenn sie von verschiedenen Personen stammen.
  • Erteilung von Genehmigungen unter Umgehung anderer zuständiger Stellen:
    • Das Gewähren von Genehmigungen oder Befreiungen, ohne die erforderlichen Schritte oder Zustimmungen anderer relevanter Stellen einzuholen.
  • Gezielte Umgehung von Kontrollen und Abschottung von Aufgabenbereichen:
    •  Absichtliche Umgehung von internen Kontrollmechanismen und die Begrenzung des Zugangs zu bestimmten Aufgabenbereichen.
  • Verheimlichen von Vorgängen:
    •  Das bewusste Verbergen oder Zurückhalten von Informationen zu bestimmten Vorgängen.
  • Auffallend kurze Bearbeitungszeiten bei begünstigenden Entscheidungen:
    • Sehr schnelle Bearbeitungszeiten bei Entscheidungen, die bestimmte Personen oder Unternehmen begünstigen.
  • Parteinahme für bestimmte antragstellende oder bietende Personen:
    • Das Zeigen von parteiischer Haltung gegenüber bestimmten Antragstellern oder Bietern.
  • Verharmlosung des Sparsamkeitsprinzips:
    • Das Vernachlässigen des Prinzips der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit bei finanziellen Entscheidungen.
  • Versuche der Beeinflussung von Entscheidungen außerhalb des Zuständigkeitsbereichs:
    •  Aktive Versuche, Entscheidungen zu beeinflussen, die nicht in den eigenen Zuständigkeitsbereich fallen.
  • Stillschweigende Duldung von Fehlverhalten:
    • Das passive Akzeptieren von Fehlverhalten ohne angemessene Reaktion.
  • Fehlende oder unzureichende Vorgangskontrolle an kritischen Stellen:
    • Das Fehlen oder die unzureichende Überwachung von Vorgängen an Stellen, an denen eine Kontrolle besonders wichtig wäre.
  • Zu schwach ausgeprägte Dienst- und Fachaufsicht:
    • Mangelnde Ausübung der Dienst- und Fachaufsicht über die Handlungen der unterstellten Beschäftigten.
  • Ausbleiben von Reaktionen auf Verdachtsmomente oder Vorkommnisse:
    • Mangelnde Reaktion oder Untätigkeit, wenn Verdachtsmomente oder Vorkommnisse bekannt werden.
  • Zu große Aufgabenkonzentration auf eine Person:
    • Eine zu starke Konzentration von Aufgaben und Entscheidungsbefugnissen auf eine einzelne Person.

Die Beachtung und Überwachung dieser internen Indikatoren ist entscheidend für die Schaffung einer transparenten und integren Organisationskultur.

Externe Indikatoren

Bei der Analyse von Geschäftsbeziehungen im Außenverhältnis können verschiedene Indikatoren darauf hinweisen, dass erhöhte Vorsicht geboten ist. Diese Alarmzeichen können subtile Anzeichen für mögliche Unregelmäßigkeiten, Interessenkonflikte oder gar Korruption in den Außenbeziehungen einer Organisation sein.

  • Auffallend entgegenkommende Behandlung von antragstellenden Personen:
    • Übermäßig freundliche oder bevorzugte Behandlung von Personen, die Anträge stellen oder Dienstleistungen beantragen.
  • Bevorzugung beschränkter Ausschreibungen oder freihändiger Vergaben:
    • Die Neigung, Ausschreibungen auf einen eingeschränkten Kreis von Unternehmen zu beschränken, anstatt einen offenen Wettbewerb zu fördern.
  • Splitten von Aufträgen, um freihändige Vergaben zu ermöglichen:
    • Die Aufteilung großer Aufträge in kleinere Teile, um die Schwellenwerte für offene Ausschreibungen zu umgehen.
  • Vermeiden des Einholens von Vergleichsangeboten:
    • Das Unterlassen des Einholens von mehreren Angeboten zur Vergleichsprüfung.
  • Erhebliche bzw. wiederholte Überschreitung der vorgesehenen Auftragswerte:
    • Das wiederholte Überschreiten der ursprünglich geplanten Auftragswerte ohne klare Rechtfertigung.
  • Beschaffungen zum marktunüblichen Preis; unsinnige Anschaffungen:
    • Der Erwerb von Gütern oder Dienstleistungen zu Preisen, die erheblich über den marktüblichen liegen, oder der Kauf von Gegenständen ohne ersichtlichen Sinn oder Nutzen.
  • Auffallend häufige "Rechenfehler", Nachbesserungen in Leistungsverzeichnissen:
    • Häufige Fehler oder nachträgliche Anpassungen in Ausschreibungsunterlagen, die den Eindruck erwecken könnten, dass dies absichtlich geschieht.
  • Eingänge in Vergabesachen ohne Eingangsstempel ("über die persönliche Schiene"):
    • Das Einreichen von Unterlagen oder Anträgen ohne den üblichen Eingangsstempel, möglicherweise durch persönliche Kontakte.
  • Aufwändige Nachtragsarbeiten:
    • Die Notwendigkeit häufiger und umfangreicher Nacharbeiten nach Vergabe oder Vertragsabschluss.
  • Nebentätigkeiten von Beschäftigten oder Tätigkeit ihrer Angehörigen für Firmen, die gleichzeitig Auftragnehmer oder Antragsteller der öffentlichen Verwaltung sind:
    • Die Existenz von Nebentätigkeiten von Mitarbeitern oder ihren Angehörigen bei Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen zur öffentlichen Verwaltung haben.
  • "Kumpelhafter" Umgangston oder auffallende Nachgiebigkeit bei Verhandlungen mit Unternehmen:
    • Ein informeller und freundlicher Umgangston mit Unternehmen, der über das übliche Maß hinausgeht, sowie übermäßige Zugeständnisse bei Verhandlungen.
  • Ausspielen von (vermeintlichen) Machtpositionen durch Unternehmen:
    • Unternehmen, die ihre vermeintliche Machtposition gegenüber der öffentlichen Verwaltung nutzen oder ausnutzen.
  • Häufige "Dienstreisen" zu bestimmten Firmen:
    • Wiederholte Dienstreisen zu bestimmten Unternehmen, insbesondere wenn sie nicht zwingend erforderlich sind.
  • "Permanente Firmenbesuche" von Unternehmen in der Dienststelle:
    • Regelmäßige Besuche von Unternehmen in den Räumlichkeiten der Dienststelle, besonders bei bestimmten Entscheidungsträgern oder Sachbearbeitern.
  • Ausbleiben von Konflikten mit Unternehmen dort, wo sie üblicherweise vorkommen:
    • Das Fehlen von Konflikten mit bestimmten Unternehmen in Situationen, in denen solche Konflikte normalerweise auftreten würden.

Die Aufmerksamkeit für diese Indikatoren im Bereich der Außenkontakte ist entscheidend, um potenzielle Unregelmäßigkeiten in den Geschäftsbeziehungen der Organisation frühzeitig zu erkennen und zu adressieren.

 

Die Forschungsarbeit des Bundeskriminalamtes (BKA) verdeutlicht, dass die aufgeführten Indikatoren vor allem dann von Bedeutung sind, wenn sie von der üblichen Norm abweichen. Ein besonders auffälliges Warnsignal, das hervorgehoben wird, ist der aufwändige oder ungewöhnlich hohe Lebensstandard von Beschäftigten, die zusätzliche Einkünfte haben, inklusive dem Präsentieren entsprechender Statussymbole. In diesen Kreisen ist eher Extravaganz als Understatement zu erwarten.

Die Experten des BKA identifizieren darüber hinaus Andeutungen im Kollegenkreis, Gerüchte von außen und anonyme Hinweise als Warnsignale. Diese Hinweise gewinnen an Bedeutung, wenn sie sich häufen und auf bestimmte Personen oder Aufgabenbereiche konzentrieren. Die ständige Gewichtung und Analyse dieser "Gerüchteküche" ist entscheidend, um Missbrauch auszuschließen. Paradoxerweise haben anonyme Hinweise oft den Anstoß zu Ermittlungen gegeben, die schließlich tatsächliche Korruptionsfälle aufdeckten.

Die Sensibilität für solche Warnsignale ist von entscheidender Bedeutung, um frühzeitig auf Unregelmäßigkeiten reagieren zu können und präventive Maßnahmen zu ergreifen. Die Auffälligkeiten sollten nicht isoliert betrachtet, sondern im Kontext des Gesamtbildes und der spezifischen Arbeitsumgebung bewertet werden, um eine angemessene Reaktion zu ermöglichen.

DER VERDACHTSFALL

Bei konkreten und nachvollziehbaren Anhaltspunkten für einen Korruptionsverdacht sind sofortige Schritte erforderlich. Die enge Zusammenarbeit mit der Ansprechperson für Korruptionsprävention ist unerlässlich. Gleichzeitig muss die Geschäftsführung unverzüglich informiert werden. Je nach den vorliegenden Umständen kann es notwendig sein, selbst rasch Maßnahmen gegen eine mögliche Verschleierung zu ergreifen. Dazu gehören u. a.:

Entzug bestimmter laufender oder abgeschlossener Vorgänge:

Dies könnte erforderlich sein, um zu verhindern, dass weitere potenziell korrupte Handlungen ausgeführt oder vertuscht werden.

Verbot des Zugangs zu Akten:

Um die mögliche Manipulation von Unterlagen zu unterbinden, kann ein vorübergehendes Zugangsverbot zu relevanten Akten angeordnet werden.

Sicherung des Arbeitsraumes, der Aufzeichnungen und der Arbeitsmittel:

Dies umfasst Maßnahmen wie die Sicherung von Arbeitsräumen, um mögliche Beweismittel zu schützen, sowie die Sicherung von Aufzeichnungen und Arbeitsmitteln wie Computern und Disketten.

 

Der Umfang und die Intensität dieser Maßnahmen sollten dabei den spezifischen Umständen des Einzelfalls angepasst werden. Es ist wichtig zu betonen, dass Korruption keine Bagatelle ist, und das Vertuschen von Korruptionsfällen das Ansehen der Verantwortlichen erheblich beeinträchtigen kann. Verletzungen der Pflichten in diesem Kontext können nicht nur dienstrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, sondern auch strafrechtliche Folgen haben. Daher ist ein entschlossenes Vorgehen bei konkreten Korruptionsverdachtsmomenten unerlässlich.

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